Der spanische Premierminister Pedro Sánchez rief eine vorzeitige Wahl für den 29. November ein. Diese Entscheidung erfolgte als Reaktion auf jüngste Widerstände gegen Gesetze, die auf die spanische Wohnungsnot abzielten. Die Proteste entfachten, nachdem das Parlament zwei Verordnungsgesetze ablehnte, welche die Rechte der Mieter auf dem Mietmarkt schützen sollten.
Der Auslöser der Unruhen war die Zwangsräumung einer 87-jährigen Frau aus ihrer Wohnung. Diese Frau konnte eine drastische Mieterhöhung nicht tragen. Die Eviction entfachte landesweite Proteste und verstärkte den Druck auf die Regierung, dringende Reformen im Wohnungssektor zu veranlassen.
In einer Fernsehansprache am Montag erklärte Sánchez, dass er für die Durchsetzung von Reformen eine breitere progressive Mehrheit benötigte, welche den Widerstand der Eliten überwinden konnte. Er räumte ein, dass die Regierung Fehler gemacht hatte und dass noch viele Probleme gelöst werden mussten, insbesondere in den Bereichen Ungleichheit, öffentliche Dienstleistungen und der Zugang zu Wohnraum.
Die Koalitionsregierung von Sánchez, bestehend aus seiner sozialistischen Partei und der Sumar-Allianz, besaß keine Mehrheit im Parlament. Eine allgemeine Wahl war erst spätestens im Sommer 2027 vorgesehen. Obwohl die konservative Volkspartei die meisten Sitze gewann, erreichte sie keine Mehrheit. Es erwartete sich, dass die Konservativen in der nächsten Wahl die größte Partei bildeten, doch sie benötigten die Unterstützung der rechten Partei Vox, um eine Regierung zu bilden.
Die Oppositionspartei äußerte sich dazu, dass die Wahl nicht nur eine weitere Wahl sei, sondern eine Chance für die Wähler, zwischen „Verfall oder Veränderung“, „Lügen oder Veränderung“ und „Korruption oder Veränderung“ zu wählen. Zehntausende Menschen versammelten sich in Städten wie Madrid, Valencia und Barcelona und forderten verstärkten Schutz für Mieter.
Als Reaktion auf die Proteste erließ die Regierung zwei Verordnungsgesetze. Das erste Gesetz beinhaltete die Aussetzung von Räumungen für gefährdete Mieter bis 2030, eine Verlängerung der Mietverträge um zwei Jahre sowie Steuererhöhungen für Touristenwohnungen. Das zweite Gesetz war umstrittener, da es die automatische Verlängerung von Mietverträgen vorsah, was eine zentrale Forderung vieler Mieter darstellte.
Parallel dazu sah sich die Führung von Sánchez zahlreichen Korruptionsskandalen gegenüber. Seine Ehefrau Begoña Gómez wurde im April wegen Korruption angeklagt. Zudem führte die Polizei im Mai eine Durchsuchung des Hauptquartiers der Sozialistischen Partei durch, während der ehemalige Transportminister José Luis Ábalos wegen seiner Beteiligung an einem Netz, das Bestechungsgelder aus dem Verkauf von Masken erhielt, verurteilt wurde. Der Premierminister stand auch wegen seiner Handhabung der Migrationskrise in Ceuta unter Beobachtung.