Die Kette Starbucks in Südkorea schloss ihre Filialen für einen halben Tag. Die Maßnahme erfolgte, um den Mitarbeitern eine Schulung zur historischen Sensibilität zu ermöglichen. Die Entscheidung folgte auf eine breite öffentliche Empörung über eine Werbekampagne, die auf den Gedenktag des Gwangju-Aufstands verwies. Diese Aktion stieß auf heftige Kritik, da sie mit den historischen Tragödien des Aufstands in Verbindung gebracht wurde.
Die Kontroverse entzündete sich durch die Einführung der „Tank Day“-Aktion für wiederverwendbare Becher. Diese Promotion fand am Jahrestag des Gwangju-Aufstands statt, bei dem mindestens 165 Zivilisten durch militärische Gewalt getötet wurden. Viele Experten hielten die tatsächliche Zahl der Opfer für wesentlich höher. Die Shinsegae Group, die Starbucks in Südkorea unter Lizenzvereinbarung betrieb, reagierte schnell auf die Kritik. Der Vorstandsvorsitzende Shinsegae entließ den Country Manager am Tag des Skandals, und der Vorsitzende Chung Yong-jin nahm ebenfalls an der Schulung teil.
Die Geschäfte schlossen am Mittwoch um 15:00 Uhr Ortszeit für drei Stunden. Während dieser Zeit erhielten alle Mitarbeiter eine Bildung über historische Bewusstheit und soziale Sensibilität durch die Betrachtung von Videos. Dies stellte die erste landesweite vorzeitige Schließung von Starbucks Korea dar, seit die Kette 1999 in dem Land eröffnet worden war. Die Werbematerialien für die Becher enthielten den Spruch „tak on the table!“, eine Phrase, die in einer kontroversen Aussage der Polizei aus dem Jahr 1987 verwendet worden war.
Die historische Verknüpfung löste weitere Untersuchungen aus. Spätere Ermittlungen zur Massaker des Gwangju-Aufstands bestätigten, dass Truppen des Militärregimes von Chun Doo-hwan Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe begangen hatten. Der Aufstand hatte Südkorea auf den Weg zur Demokratie geführt und diente als Mobilisierungsgrundlage für Aktivisten. Einige in Südkorea behaupteten zudem, die Starbucks-Kampagne berücksichtigte auch die Bewegungen von 1987. Die Unternehmensführung entschuldigte sich für die entstandene Unannehmlichkeit und die verursachte Besorgnis.
Die öffentliche Reaktion war stark. Der Präsident Südkoreas, Lee Jae Myung, äußerte sich auf sozialen Medien empört über das, was er als „unmenschliches und beschämendes Verhalten“ bezeichnete. Proteste fanden vor den Geschäften statt, und die Kette erlitt nach den Aufrufen zum Boykott einen deutlichen Umsatzrückgang. Die Ereignisse zwangen das Unternehmen zur Reflexion über die Verantwortung, die mit der Nutzung historischer Ereignisse verbunden war.