Die Strafverfolgungsbehörden in England und Wales erwarteten einen Anstieg häuslicher Gewalt während des Männer-Fußballturniers. Sie riefen Opfer dazu auf, vorzugehen, und erklärten, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Die Staatsanwaltschaft betonte, dass sie nicht zögern würden, die Täter zur Justiz zu bringen. Olivia Rose, Leiterin der nationalen Abteilung für Verfolgung von Stalking, erklärte, dass sie häufiger häusliche Gewaltfälle um große Fußballturniere beobachteten. Sie fügte hinzu, dass zwar Fußball keine häusliche Gewalt verursachte, Alkohol und erhöhte Emotionen diese Situation jedoch verschlimmerten.
Die jüngsten Daten zeigten, dass bei fünf Fällen häuslicher Gewalt, die von der Polizei gemeldet wurden, vier angeklagt wurden. Dies demonstrierte die Ernsthaftigkeit, mit der die Behörden häusliche Gewalt betrachteten. Rose warnte die Täter zudem davor, dass ihr Verhalten nicht bloß inakzeptabel, sondern illegal sei. Gleichzeitig bat sie Opfer dazu, Unterstützung zu suchen und die Gewalt bei der Polizei zu melden. Sie versicherte den Betroffenen, dass ihre Meldungen ernst genommen würden.
Die Reform-Abgeordnete Sarah Pochin erfuhr Kritik für ihren Beitrag auf sozialen Netzwerken, in dem sie forderte, dass England beim Sieg für die Sicherheit der Frauen bleibe. Die Wohltätigkeitsorganisation Refuge bezeichnete diesen Beitrag als „höchst unangebracht“ und merkte an, dass er es den Tätern erlauben könnte, der Rechenschaft zu entgehen. Die Behörden kommunizierten klar: Während Turniere wie die Weltmeisterschaft das Bewusstsein für diese Verbrechen schärften, gab es keine Entschuldigung, egal ob ein Team gewann oder verlor.
Die Organisation Women’s Aid startete die Sensibilisierungskampagne „The Other Kick Off“, welche eine alternative Kick-off-Zeit hervorhob. Diese Zeit signalisierte den Zeitpunkt, an dem ein Täter wahrscheinlich aus einem Spiel zurückkehrte und Schaden verursachen konnte. Veronica Oakeshott, Leiterin der externen Angelegenheiten, erklärte, dass die Weltmeisterschaft eine Gelegenheit sei, die Öffentlichkeit über diese Verbrechen aufzuklären und Frauen daran zu erinnern, dass Hilfsdienste zur Verfügung standen.
Forschungsergebnisse der Universität Lancaster zeigten, dass häusliche Gewaltfälle zunahmen, wenn England spielte. Die Zahlen zeigten einen Anstieg um 26 Prozent bei Sieg oder Unentschieden und um 38 Prozent bei Niederlagen. Des Weiteren veröffentlichte der Nationale Polizeipräsidiumsausschuss Daten, die zeigten, dass während des Euro 2024-Turniers über dreihundert häusliche Gewaltvergehen bei der Polizei gemeldet wurden, wobei Opfer den Verhaltensweisen des Täters eine Verbindung zum Fußball zuschrieben. Luisa Rolfe, stellvertretende Kommissarin und nationale Leitende für häusliche Gewalt, betonte, dass die Priorität während des Turniers die Unterstützung und den Schutz aller Personen sei, die Gefahr litten. Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiteten eng zusammen, um alle verfügbaren Befugnisse zur Identifizierung und Verhaftung von Straftätern zu nutzen und Beweise zu sichern, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.