FaktenBlitz
RSS
Zurück zur Übersicht
Wissenschaft

Suizidhilfe für psychisch Kranke: Eine Frau forderte in Kanada ein Recht auf einen würdevollen Tod

Die Debatte um die Ausweitung des MAID-Gesetzes und die ethischen Grenzen der medizinischen Hilfe

Claire Brosseau, eine 49-jährige Frau aus Toronto, suchte in Kanada Zugang zur medizinisch assistierten Sterbehilfe. Sie argumentierte, dass sie, bedingt durch eine schwere und therapieresistente psychische Erkrankung, keine weitere Behandlung mehr empfing und einen „sicheren Tod“ wünschte. Brosseau bat ein Gericht um eine Ausnahme von der bestehenden Gesetzgebung, um ihr den Zugang zur Sterbehilfe zu gewähren, obwohl diese derzeit nur für terminal kranke Patienten vorgesehen war.

Die Diskussion um die Ausweitung des Medically Assisted Dying (MAID)-Gesetzes in Kanada geriet in den Fokus, als Brosseau betonte, dass die aktuelle Gesetzgebung für Menschen mit psychischen Erkrankungen ausschließend blieb. Die Regierung hatte die Erweiterung mehrfach verschoben, da Bedenken hinsichtlich der Vorbereitung des Gesundheitssystems bestanden. Die parlamentarische Kommission, die die Frage der Erweiterung prüfte, hörte von Befürwortern und medizinischen Experten, die gegen eine solche Ausweitung warnten.

Einige Experten argumentierten, dass die Sterbehilfe ein Mittel zur Linderung des Leidens von Menschen mit Behinderungen sei, die besser durch verbesserte Zugänge zu Wohnraum und Unterstützungsleistungen bedient würden. Andere betonten, dass psychische Erkrankungen noch nicht ausreichend verstanden seien, was die Feststellung erschwerte, ob ein Patient Suizidgedanken äußerte oder ob die Erkrankung unheilbar war. Dr. Sonu Gaind, ehemaliger Chef der Psychiatrie in Toronto, erklärte, dass die Entscheidung zur Pause der Erweiterung des MAID-Programms mehr Beweise lieferte, dass Kanada noch nicht bereit sei, diese Hilfe für psychische Erkrankungen anzubieten.

Im internationalen Vergleich zeigte sich, dass andere Länder, wie die Niederlande, Zugang für Menschen mit psychischen Leiden gewährten. Obwohl die Genehmigungen für psychische Leiden in den Niederlanden relativ selten waren, stieg die Gesamtzahl der genehmigten Fälle. Ein niederländischer Psychiater warnte vor einem „Suizid-Ansteckungseffekt“ und mahnte Kanada zur Vorsicht. Die Erfahrung der Niederlande diente als Warnung für die kanadische Gesetzgebung.

Die Opposition gegen die Erweiterung des MAID-Programms manifestierte sich auch in der zivilgesellschaftlichen Ebene. Organisationen wie Inclusion Canada kritisierten, dass man in die Beendigung von Leben eingriff, anstatt in eine bessere Lebensqualität zu investieren. Brosseau betonte, dass die Ablehnung der Sterbehilfe für psychiatrische Patienten auf Stigmatisierung beruhte, da körperliche Krankheiten als legitimer galten. Sie argumentierte, dass Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen nicht denselben Zugang zu den Leistungen erhielten, die Teil der kanadischen Gesundheitsversorgung geworden waren.

Die rechtliche Anfechtung von Brosseau basierte auf der These, dass die aktuellen Gesetze für Menschen mit psychischen Erkrankungen exkludierend seien und somit verfassungswidrig. Die Kommission lieferte einen Bericht, dessen Ergebnis die Zukunft des Programms bestimmen sollte. Brosseau zeigte jedoch wenig Vertrauen in die Kommission, ihren Bericht und die Bundesregierung, welche ihrer rechtlichen Anfechtung noch nicht geantwortet hatte. Sie kämpfte für gleiche Rechte und forderte Anerkennung als Mensch, nicht als Unterkategorie.

KanadaSterbehilfePsychiatrieRecht

Teilen

𝕏 Twitter WhatsApp