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Kultur

Tätowierkunst in Südkorea: Der Kampf um Legitimität und Freiheit

Gerichte kippten das Gesetz, doch gesellschaftliche Vorurteile blieben bestehen

Nach Jahrzehnten der Verfolgung erlebten Tätowierkünstler in Südkorea eine neue Ära. Als Kim Tae-nam letzte Woche auf die Bühne trat, signalisierte dies den Abschluss eines langen Kampfes, da seine berufliche Wahl nicht länger illegal war. Er äußerte die Erleichterung: „Dies war nur möglich dank unseres gemeinsamen Einsatzes. Tätowierungen sind Kunst!“ Diese Aussage spiegelte den Triumph wider, den die Künstler erlangten, nachdem das höchste Gericht die Verfassungsmäßigkeit der Praxis neu bewertete.

Das juristische Umfeld änderte sich signifikant. Das oberste Gericht kippte die Verordnung von 1992, welche Tätowierungen als medizinische Handlung definierte. Dies beendete den jahrzehntelangen Rechtsstreit der koreanischen Tätowierer um ihre Legitimität. Im September legalisierten Gesetzgeber Tätowierungen durch nicht-medizinische Fachleute, als Reaktion auf die anhaltende Kampagne der Künstler gegen die Angst und die Belästigung, denen sie ausgesetzt waren.

Bisher durften in Korea nur lizenzierte Ärzte Tätowierungen vornehmen, und die Verletzung dieser Regel führte zu hohen Geldstrafen oder Haftstrafen. Diese restriktive Gesetzgebung diente zwar der Adressierung von Hygiene- und Sicherheitsbedenken, verstärkte jedoch auch soziale Normen in einem konservativen Land, in dem Körperkunst weiterhin stark verurteilt wurde. Zudem verband die öffentliche Wahrnehmung Tätowierungen mit kriminellen Organisationen und Gangsteraktivitäten.

Die Künstler erlebten erhebliche Risiken. Die Tattoo-Vereinigung unterstützte jährlich mindestens 50 Künstler mit rechtlicher Beratung und schätzte, dass viele weitere mit Geldstrafen belegt wurden. Viele Opfer waren junge Frauen, die Angst hatten, Anzeige zu erstatten, da sie sich dadurch selbst in Verlegenheit bringen konnten. Diese Verfolgung führte zu tragischen Verlusten, was den Gründungsvorhaben der Vereinigung befeuerte.

Mit der Zeit begann sich die öffentliche Meinung zu wandeln, als jüngere Koreaner Tätowierungen akzeptierten und erkundeten. Ab den 2010er Jahren begannen mehr Tätowierer, ihre Studios offen zu betreiben, mit sichtbaren Schildern und Glasfronten. Obwohl die Praxis im Inland verboten blieb, gewann die koreanische Tätowierkunst international an Bedeutung. Die filigranen, weichen und farbenfrohen koreanischen Illustrationen fangen in den mittleren 2010er Jahren die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ein, als Künstler ihre Werke verstärkt über soziale Medien teilten.

Prominente Persönlichkeiten, von Sportlern bis hin zu Schauspielern und Popstars, normalisierten die Körperkunst, indem sie ihre Tätowierungen öffentlich zeigten. Dennoch blieb die Stigmatisierung bestehen. Tätowierungen konnten den Eindruck bei Bewerbungsgesprächen oder bei formellen Anlässen beeinträchtigen. Die Gesellschaft zeigte eine starke Konformität, doch die jüngere Generation brach diese Normen auf. Es blieb Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Regulierung, da das Gesundheitsministerium ein neues Testsystem zur Lizenzierung und Standardisierung der Branche ankündigte.

SüdkoreaTätowierungRechtKulturkampf

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