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Politik

Exekution in Tennessee verschoben: Protokollfehler stoppte Todesstrafe

Nach Versagen der Medikamentenverabreichung erhielt der Verurteilte eine vorübergehende Entlassung

Die Exekution des in Tennessee verurteilten Tony Carruthers wurde verschoben, nachdem das Personal keine geeignete zweite Vene zur Durchführung der tödlichen Injektion finden konnte. Carruthers, der 1994 für die Entführung und Ermordung von drei Personen verurteilt wurde, stand am Donnerstag auf dem Sterbeholz. Das Departement für Korrekturen des Bundesstaates erklärte jedoch, dass zwar eine primäre intravenöse Leitung zur Verabreichung des tödlichen Mittels gefunden worden war, eine zweite, notwendige Backup-Leitung jedoch nicht etabliert werden konnte.

In Reaktion darauf gewährte der Gouverneur Bill Lee Carruthers eine vorübergehende Entlassung von der Hinrichtung für einen Zeitraum von einem Jahr. Die Korrekturenbehörde berichtete, dass das Team versuchte, eine zentrale Leitung gemäß dem Protokoll einzuführen, diese Prozedur jedoch erfolglos blieb. Die Behörde stellte fest, dass die Durchführung der Exekution somit abgebrochen wurde, da die erforderliche zweite Vene nicht gefunden wurde.

Carruthers wurde 1996 wegen der Entführung und Ermordung von Marcellos Anderson, seiner Mutter Delois Anderson und Frederick Tucker verurteilt. Die Opfer wurden geschlagen und erschossen, und die drei wurden lebend in einem Friedhof in Memphis begraben. Der Fall Carruthers zog nationale Aufmerksamkeit auf sich, da Interessenverbände wie die American Civil Liberties Union argumentierten, dass es erhebliche Mängel in seinem Prozess gab, darunter die Tatsache, dass er sich selbst vertreten musste.

Die ACLU veröffentlichte eine Erklärung und forderte die Aufhebung der „ungerechtfertigten Hinrichtung“ von Carruthers. Sie behaupteten, dass die Beweise gegen ihn aus Informanten stammten, deren Aussagen später widerrufen oder diskreditiert wurden. Die Organisation sammelte zudem über 130.000 Unterschriften für die Einstellung der Hinrichtung, um „notwendige Fingerabdruck- und DNA-Tests“ zu ermöglichen.

Anwälte von Carruthers argumentierten in einer Petition für Gnade, dass sein aktueller geistiger Zustand – bedingt durch Schizoaffektiven Störung, Bipolarität und Hirnschäden – zu stark beeinträchtigt sei, um ihn zu exekutieren. Sie erklärten, dass diese Störungen zu unaufhörlichen, synergistischen und komplexen Wahnvorstellungen führten, welche ein rationales Verständnis seiner bevorstehenden Hinrichtung verhinderten. Die ACLU bekräftigte, dass Tennessee einen Mann nicht weiter quälen könne, während es ernsthafte Fragen zu seiner Unschuld ignorierte.

TennesseeJustizHinrichtungRecht

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