FaktenBlitz
RSS
Zurück zur Übersicht
Politik

Texas machte Bibelgeschichten zum Pflichtlektüre in Schulen

Konflikt um Trennung von Kirche und Staat eskalierte

Ein Bildungsgremium in Texas beschloss Pläne, Bibelgeschichten für alle fünf Millionen Schüler in den öffentlichen Schulen verpflichtend zu machen. Diese Maßnahme entfalt erst im Jahr 2030. Die vorgeschriebenen Lesematerialien umfassten biblische Passagen über Adam und Eva sowie Auszüge aus dem Buch Exodus, in denen Gott Moses durch einen brennenden Busch sprach. Diese Entscheidung löste eine heftige Debatte über die Trennung von Kirche und Staat aus.

Kritiker bemängelten, dass die neuen Leseanforderungen, welche auch Werke von Dickens und Shakespeare einschlossen, die Religionsfreiheit verletzten und mangelnde Diversität aufwiesen. Die republikanisch geführte Staatliche Bildungsbehörde genehmigte die Maßnahme mit einer Abstimmung von neun zu fünf Stimmen, wobei ein Republikaner sich den Demokraten anschloss, um dagegen zu stimmen.

Brandon Hall, ein Mitglied des Bildungsrates, erklärte, dass die Bibel zum ersten Mal seit sechzig Jahren in Schulen zurückgebracht werde. Befürworter argumentierten, dass die Schüler jüdisch-christliche Traditionen studieren sollten, da diese für die Gründung der Nation wesentlich seien. Die neue Liste etablierte erstmals Bücher, die alle Schüler in Texas lesen mussten. Darunter befanden sich englische Literaturklassiker wie Charles Dickens’ ‘Great Expectations’ und William Shakespeares ‘The Tragedy of Julius Caesar’.

Darüber hinaus befanden sich Reden von Martin Luther King Jr. und eine Eulenrede von Margaret Thatcher für Präsident Ronald Reagan auf der umfassenden Liste. Dennoch stießen die verpflichtenden religiösen Texte auf heftigen Widerstand von Bildungsorganisationen und Organisationen für Bürgerrechte. Felicia Martin, Geschäftsführerin der Texas Freedom Network, äußerte sich vor der Abstimmung dazu, dass die Leseliste “Christentum über alle anderen Glaubensrichtungen und Traditionen stellt”.

Sie kritisierten, dass diese Auswahl eine stark westlich zentrierte Sichtweise auf die Welt darstellte, welche die Beiträge und die Geschichten von schwarzen, braunen und indigenen Menschen sowie von anderen Glaubensrichtungen und Traditionen, welche für das Verständnis unserer Geschichte wesentlich seien, ausschloss. Zudem äußerten Lehrerverbände Bedenken hinsichtlich der Autonomie der Lehrkräfte, welche die Auswahl der für ihre Klassen passenden Werke treffen durften. Die Verbanden bemerkten, dass die Liste selbst zu umfangreich sei und die Autonomie der Lehrer gefährde.

Obwohl der Rat letztlich die verpflichtende Liste reduzierte, hielten die Verbände die Maßnahme für zu mühsam. Die Genehmigung am Freitag stellte ein jüngstes Beispiel für konservative Schritte dar, um den Einfluss christlicher Überzeugungen im Bildungssystem zu stärken. Letztes Jahr wurde Texas zum größten US-Bundesstaat, der verlangte, dass Klassenzimmer die Zehn Gebote ausstellten. Die Maßnahme wurde durch einen Bundesgerichtshof im April bestätigt. Präsident Donald Trump pries die Entwicklung als Verbreitung religiöser Werte in den Vereinigten Staaten an und erklärte, dass die Religion “größer und stärker in unserem Land sei als in vielen, vielen Jahren”.

TexasBildungReligionsfreiheitBibel

Teilen

𝕏 Twitter WhatsApp