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Wissenschaft

Touristen in Bukarest riskierten: Mietobjekte in seismisch gefährdeten Gebäuden

Datenanalyse enthüllte illegale Unterkünfte auf Plattformen und warnte vor drohendem Erdbeben

Touristen in der rumänischen Hauptstadt Bukarest übernachteten in illegalen Unterkünften, die auf Plattformen wie Airbnb und Booking.com gelistet waren. Diese Gebäude befanden sich in Bauten, welche bei einem schweren Erdbeben einstürzen konnten. Eine Analyse von Daten, die von der Organisation Re:Rise gesammelt wurden, identifizierte am Ende Mai mindestens 207 illegale touristische Mietobjekte in Bukarest. Diese Objekte boten eine kombinierte Kapazität zur Unterbringung von über tausend Besuchern pro Nacht.

Booking.com listete sechzehn dieser Objekte, siebzig davon waren auf Airbnb, und vierundvierzig Vermietungen erschienen auf beiden Plattformen. Alle diese Mietobjekte befanden sich in Gebäuden, welche die höchste seismische Gefährdung klassifizierten. Bukarest galt als die seismisch anfälligste Hauptstadt der Europäischen Union. Das Land erlebte im letzten Jahrhundert zwei große Erdbeben, wobei das jüngste Erdbeben von 1977 über 1.500 Menschen tötete und 32 Gebäude in unter einer Minute zum Einsturz brachte.

Experten äußerten die Befürchtung, dass ein weiteres Erdbeben unvermeidlich sei. Sie warnten, dass die Schäden möglicherweise die früheren Katastrophen übersteigen würden, da ein Großteil des Gebäudebestands der Stadt in den letzten Jahrzehnten strukturell mangelhaft geworden war. Romaniens Gesetz verbot die Kurz- und Langzeitmiete in Hochrisikobauten der Klasse RS1. Infolgedessen existierten mindestens 404 solche Gebäude, in denen jegliche Art der Vermietung verboten war. Verstöße gegen dieses Verbot bedachten Geldstrafen zwischen einer Tausend und zweitausend Euro.

Da nur ein Bruchteil des gesamten Gebäudebestands formal auf Risiko geprüft wurde, schätzten Experten die tatsächliche Zahl der unsicheren Unterkünfte als weitaus höher ein. Weder Airbnb noch Booking.com verlangten von den Vermietern die Erklärung über die strukturelle Sicherheit ihrer Objekte. Ein Strukturingenieur und Gründer von Re:Rise, Matei Sumbasacu, erklärte, dass die Plattformen die Verantwortung bei den Eigentümern ließen.

Eine Touristin berichtete, dass sie sich bei der Ankunft unwohl fühlte, da das Gebäude von außen schlecht erschien. Beschreibungen, welche die Gefahr herunterspielten, seien lediglich oberflächliche Bemühungen gewesen. Sie erkannte die Illegalität der Vermietung nicht und fasste die Bedingungen und den Standort eines Gebäudes nun in jede Buchungsentscheidung ein.

Re:Rise ergriff eigene Maßnahmen. Freiwillige beklebten die Schlüsselkasten außerhalb der RS1-Gebäude mit Aufklebern, die einen QR-Code enthielten. Dieser verlinkte auf eine Webseite, auf der Touristen über das seismische Risiko der Unterkunft informiert wurden. Die Stadtverwaltung führte Inspektionen nur auf Beschwerden durch und informierte das Tourismusministerium über das Verbot der Vermietung in RS1-Gebäuden. Eine Informationskampagne erreichte etwa dreitausend Eigentümer.

Die Stadtverwaltung bestätigte, dass die Sicherheit eine Priorität für Airbnb sei. Eine Plattform für Booking.com betonte, dass ihre Partner die Pflichten wüssten und den lokalen Gesetzen folgten. Die Infrastruktur der Stadt blieb jedoch gefährdet. Eine Risikobewertung schätzte, dass ein großes Erdbeben etwa 23.000 Gebäude in der Stadt schwer beschädigen und rund 6.500 Menschen töten könnte.

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