Donald Trump pries den Deal zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran an, doch dieser verhinderte nichts, außer einem Problem, welches sein Krieg verursacht hatte. Ohne dass dieses unsichere neue Abkommen seine inhärenten Unklarheiten überwand, konnten nukleare Verhandlungen nicht wieder aufgenommen werden, und diese fanden an nahezu identischen Punkten statt wie vor dem Konflikt. Die Welt hatte sich auf andere Weise unwiderruflich verändert. Es gab keinen Weg zurück für die hundertzwanzig iranischen Kinder, die in Minab bei ihrer Grundschule während der ersten Stunden des Krieges starben, noch für ihre trauernden Eltern oder für die Tausenden in dem gesamten Raum Iran, Libanon und der Region, deren Leben durch einen rücksichtslosen Krieg der Wahl ausgelöscht oder ruiniert worden war.
Der Iran selbst hatte sich als Staat und Gesellschaft auf Weise verändert, deren volle Tragweite erst in den kommenden Monaten und Jahren ersichtlich werden sollte. Bis dahin war jedoch evident, dass die Armee auf Kosten der säkularen zivilen Regierung gestärkt worden war. Die Freiheit und die grundlegenden Rechte der Iraner blieben so schwer fassbar wie vor dem Konflikt, wenn nicht sogar noch eludierter. Teheran hatte seine bewiesene Fähigkeit gestärkt, den Hormus-Strait zu schließen und die Lebensader der globalen Wirtschaft zu zügeln. Im Gegensatz dazu wurde die Macht und die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten vor der ganzen Welt entschieden untergraben.
Donald Trump erreichte bisher keinerlei der im Zuge des Krieges mit Israel am 28. Februar formulierten Ziele bezüglich Regimewechsel oder nuklearer Entmilitarisierung. Die Leistung, die er über Nacht verkündete – „Schiffe der Welt, zündet eure Motoren an. Lasst den Ölfluss beginnen!“ – war ein Versuch, Anerkennung für die Behebung eines Problems zu beanspruchen, welches sein Krieg verursacht hatte. Diese Errungenschaft war jedoch noch nicht gesichert. Es blieb ein langer Weg bis zum Freitag und zur geplanten Unterzeichnungszeremonie in Genf, angesichts aller Kompromisse, die in dieses Abkommen eingepackt worden waren. Es blieb unklar, ob der Iran weiterhin Zölle (oder „Servicegebühren“) für die Nutzung des Straits verlangte oder ob 24 Milliarden Dollar (£18 Milliarden) iranischer eingefrorener Vermögenswerte vor oder während der geplanten nuklearen Gespräche in Genf freigegeben und an Teheran gezahlt wurden. Die beiden Seiten hatten sehr unterschiedliche Interpretationen dessen, was unter diesen Überschriften in den letzten Tagen vereinbart worden war.
Der eigentliche Beginn des Ölflusses durch den Hormus-Strait hing letztlich davon ab, ob die Schifffahrts- und Versicherungsgesellschaften ihn für sicher hielten, was noch einige Tage oder Wochen dauern konnte. Gleichzeitig bestanden der Iran und die pakistanischen Broker darauf, dass das Abkommen den Krieg Israels gegen die Hisbollah im Libanon beendete. Mitglieder der Koalition von Benjamin Netanjahu erklärten jedoch bereits, dass Israel nicht an das Abkommen gebunden werden sollte. Ein Abkommen, welches das Schlachtfeld im Nahen Osten in seiner jetzigen Lage einfroren würde, stellte ein politisches Desaster für Netanjahu dar, der versprochen hatte, den Israelis ihre schlimmsten Feinde – das Regime des Iran mit seinem nuklearen Programm, die Hisbollah und die Hamas – zu beseitigen. Diese Akteure standen weiterhin da, während die Beziehung Israels zur Vereinigten Staaten, seiner ultimativen Sicherheitsgarantie, stark beschädigt wurde.
Netanjahus größter Erfolg lag darin, einen US-Präsidenten zu finden, den er überzeugen konnte, mit ihm gegen den Iran zu kämpfen. Dieser glänzende Triumph verwandelte sich jedoch in Asche in seinen Händen. Trump lehnte den israelischen Premierminister offen als „schwierigen Mann“ ab, und die Beziehung würde in naher Zukunft unwahrscheinlich einfacher werden, da Netanjahu seine Unabhängigkeit vor wählerischen Wählern vor den Wahlen im Oktober demonstrieren wollte. Trump versuchte, Israel so stark wie möglich einzuschränken – sicherlich, um zur Unterzeichnung am Freitag zu gelangen und bis zum Ende des von den Vereinigten Staaten ausgerichteten Weltcup-Spektakels. Netanjahu hingegen besaß seine eigenen Sicherheits- und politischen Imperative. Diese Divergenz verschlechterte die Partnerschaft weiter, zu einer Zeit, in der die Mehrheit der Amerikaner die Beziehung nicht länger als heilig betrachtete. Ein andauernder libanesischer Konflikt war nicht die einzige zentrifugale Kraft, welche dieses fragile Abkommen zerrte. Es gab interne politische Entwicklungen in den USA und im Iran, welche jede Seite dazu verleiten konnten, den Vertrag zu brechen.
Am wichtigsten war die nukleare Frage – das vermeintliche casus belli, welches durch den Krieg im Grunde unberührt blieb. Ab Freitag sollten US- und iranische Verhandler für 60 Tage in Genf zusammenkommen, um den grundlegenden Streit darüber zu lösen, wie viel des nuklearen Programms der Iran gestattet werden sollte. Im Zentrum der Verhandlungen stand Irans Recht zur Urananreicherung, wie lange ein Moratorium auf die Anreicherung gelten sollte und was mit seinem Uranvorrat geschehen sollte, der bereits auf ein Waffenlevel angereichert war. Diese Punkte waren exakt jene, die am 26. Februar in Genf auf dem Tisch lagen, dem letzten Tag der Verhandlungen vor dem Krieg, der zwei Tage später begann. Nach allen Berichten, einschließlich jener von Beobachtern der britischen Regierung, hatten diese Gespräche Fortschritte gemacht, bevor sie abrupt beendet wurden und die Bomben fielen. Die Hoffnung lag nun darin, dass etwas von dieser Vorwärtsbewegung wiederhergestellt werden konnte, doch die postkriegszeitliche iranische Delegation zeigte sich wahrscheinlich als ein noch härteres Problem. Das Regime hatte seine Widerstandsfähigkeit bewiesen und besaß eine bewiesene Waffe in seiner Tasche: die Hormus-Option.