Der ehemalige US-Präsident Donald Trump kündigte an, mit dem taiwanischen Präsidenten Lai Ching-te über eine mögliche Waffenlieferung zu sprechen. Diese Geste stellte einen deutlichen Bruch mit der etablierten diplomatischen Tradition dar. Die direkte Kommunikation zwischen den Führern der Vereinigten Staaten und Taiwans hatte seit 1979 nicht mehr stattgefunden, als Washington formelle Beziehungen zu Taiwan abbrach, um die chinesische Regierung in Peking anzuerkennen.
China beanspruchte Taiwan als sein Territorium und ließ die Möglichkeit einer militärischen Übernahme nicht außen vor. Die Vereinigten Staaten unterstützten die selbstverwaltete Insel lange Zeit und waren gesetzlich verpflichtet, ihr Mittel zur Selbstverteidigung zur Verfügung zu stellen. Diese Verpflichtung balancierten die USA jedoch mit der Aufrechterhaltung diplomatischer Beziehungen zu China.
Als Präsident-Kandidat im Jahr 2016 hatte Trump bereits ein Telefongespräch mit der damaligen taiwanischen Führung Tsai Ing-wen geführt, was Peking verärgerte. Präsident Lai, der 2024 in seine Funktion trat, forcierte eine der stärksten Bemühungen in jüngster Zeit zur Stärkung der Verteidigung der Insel. Er betonte zudem, dass US-Waffenlieferungen eine Schlüsselrolle bei der Aufrechterhaltung des regionalen Friedens und der Stabilität spielten.
Auf die mögliche Unterhaltung zwischen Trump und Lai reagierte das chinesische Außenministerium scharf. Ein Sprecher erklärte, dass Peking offizielle Austausch zwischen den Vereinigten Staaten und Taiwan entschieden ablehnte sowie Waffenlieferungen an Taiwan strikt widersprach. Das Ministerium forderte die USA auf, „falsche Signale an die Separatisten in Taiwan“ zu unterlassen.
Taiwan betonte in seinen Stellungnahmen, dass die Insel ein souveräner, unabhängiger demokratischer Staat sei und dass der Frieden im Taiwan-Straßegebiet nicht geopfert werde. Die taiwanische Außenministerin signalisierte zudem ihre Bereitschaft, mit Trump über Fragen zur Wahrung des Status quo im Taiwan-Straßegebiet zu diskutieren. Die Debatte um die Waffenlieferungen und die diplomatischen Verflechtungen zwischen den Mächten blieb somit hochbrisant.