Donald Trump zeigte auf dem NATO-Gipfel in Ankara ein widersprüchliches Verhalten. Er äußerte kurz nach scharfen Vorwürfen gegen die Verteidigungsausgaben der Verbündeten eine „enorme Liebe“ zu den westlichen Führungskräften. Diese wechselhafte Kommunikation prägte die letzten Stunden der zweitägigen Versammlung. Der Präsident begann die Gespräche mit der öffentlichen Verurteilung der iranischen Führung und der Wiederholung seiner Forderung nach Kontrolle über Grönland.
Anschließend wandelte er seinen Ton in einem privaten Treffen mit 32 NATO-Führern. Dort erwähnte er weder Grönland noch frühere Kritikpunkte, sondern versprach den Verbündeten: „Wir wollen bei euch bleiben“. Diese Verschiebung von der Kritik zur Unterstützung wurde als Sieg für die Allianz gefeiert, deren Stabilität in Frage gestellt wurde.
Trump beendete die Versammlung mit einer Pressekonferenz, die kaum die NATO-Themen behandelte. Er lobte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und sprach die amerikanische Wirtschaft an. Er erklärte zudem, er sei „Nummer eins auf TikTok“. Dennoch signalisierte seine Aussage am Ende des Tages, dass die Einheit die wichtigste Botschaft sei. Die abschließende Erklärung des Gipfels bekräftigte die „stahlharte Verpflichtung“ zu Artikel Fünf, welcher besagt, dass ein Angriff auf einen NATO-Mitgliedstaat ein Angriff auf alle sei.
Die Besorgnis unter den europäischen Führern zeigte sich deutlich. Sie befürchteten, dass Trumps Grandstanding auf solchen Veranstaltungen Hoffnungen für den russischen Präsidenten Wladimir Putin weckte. Die europäischen Staatsmänner befürchteten, dass Trump nach einem Abendessen in Ankara in schlechter Stimmung war und die Verluste der Vereinigten Staaten gegen Belgien nicht erwähnt wurden.
Es zeigte sich, dass die größten Ängste Wirklichkeit wurden, als Trump am Mittwochmorgen mit dem Generalsekretär der NATO Mark Rutte erschien. Er hielt eine lange Monolog über Beschwerden gegen die Allianz und einzelne Mitglieder und kritisierte die iranische Führung. Er beklagte, dass die Verbündeten nicht helfen wollten, „uns bei dem Nummer-eins-Staat für Terror, dem Iran, zu unterstützen“. Er richtete auch eine spezifische Kritik gegen das Vereinigte Königreich, das den Vereinigten Staaten den Einsatz von Luftstreitkräften in der Region erlaubte.
Die Diskussion um die Verteidigungsausgaben blieb ein zentrales Thema. Trump äußerte sein Unmut über die hohen Kosten der Allianz und kritisierte die Entscheidung Spaniens, das Ziel von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung bis 2035 abzulehnen. Rutte versuchte, Trump durch Lob und gelegentliche Unterbrechungen zu beruhigen, indem er die Erfolge Trumps bei der Erhöhung der Verteidigungsausgaben der europäischen Mitglieder hervorhob. Dennoch bekräftigte Trump seine Ablehnung gegenüber dem Iran und den Verhandlungen über einen Waffenstillstand.