Der UN-Menschenrechtschef äußerte sich alarmiert über den Anstieg der Hinrichtungen in der Islamischen Republik Iran. Er betonte, dass die Todesstrafe genutzt wurde, um Angst in der Bevölkerung zu säen und jeglichen Widerstand zu unterdrücken. Volker Türk berichtete, dass seit dem 19. März mindestens 56 Personen wegen national sicherheitsrelevanter Vorwürfe hingerichtet worden waren, darunter 27 Fälle, die mit den Protesten vom Januar in Verbindung standen.
Zusätzlich berichtete Türk, dass über hundert weitere Personen Gefahr liefen, wegen ähnlicher Tatbestände hingerichtet zu werden. Auch Hinrichtungen wegen Drogenverbrechen fanden in alarmierendem Tempo statt. Iran galt als der zweitprolificeste Hinrichtungsstaat der Welt nach China. Letztes Jahr hatte das Land mindestens 2.159 Menschen getötet, wie Amnesty International feststellte. Die Menschenrechtsgruppe stellte fest, dass diese Zahl die höchste seit 1981 war und 45 Hinrichtungen wegen national sicherheitsrelevanter Vorwürfe gegen mutmaßliche Dissidenten umfasste.
Aktivisten warnten davor, dass die iranische Behörde die Hinrichtung gegen ihre Gegner verstärkt einsetzen würde, insbesondere nach den Protesten im Januar, bei denen Tausende von Demonstranten getötet und Zehntausende in Gewahrsam genommen wurden. Türk forderte in einer Erklärung die iranische Regierung auf, alle Hinrichtungen zu stoppen und auf die Abschaffung der Todesstrafe hinzuarbeiten, da er erklärte, dass eine solche Strafe „keinen Platz in unserer Welt habe“.
Er äußerte zudem tiefe Besorgnis über das anhaltende Fehlen fairer Gerichtsverfahren und angemessener Verfahrensgarantien. Er kritisierte, dass Geständnisse angeblich unter Folter und anderer Misshandlung erlangt wurden. Es gab Berichte über Hinrichtungen, die öffentlich durchgeführt wurden, und Fälle, in denen zwölf Angeklagte nach einer einzigen dreistündigen Sitzung verurteilt wurden.
Die iranische Regierung kommentierte die Entwicklung zunächst nicht. Sie verteidigte die Anwendung der Todesstrafe jedoch und erklärte, diese beschränke sich nur auf „die schwersten Verbrechen“. Am Montag vollzog die iranische Justiz die Hinrichtung von zwei Männern, die wegen Spionage für Israel verurteilt wurden. Ein 19-jähriger Mann wurde beispielsweise wegen der Sicherheitsvorwurf „Feindseligkeit gegen Gott“ hingerichtet, was auf die Unruhen im Januar zurückzuführen war.
Menschenrechts-Experten bemerkten, dass die zwölf Verurteilten in einer einzigen Sitzung, in einem geschlossenen Gerichtssaal und ohne Klarheit über die individuelle Verantwortung jedes Angeklagten verurteilt wurden. Dies verstieß gegen etablierte Standards für ein faires Verfahren.