Die öffentlichen Nachrichtenübertragungen in Ungarn stoppten. Der Hauptfernsehkanal und ein staatlich geführter Radiosender setzten die Sendungen aus, um die Medien als unabhängig und vertrauenswürdig zu gestalten. Diese Maßnahme erfolgte im Rahmen einer umfassenden Reform der Medienlandschaft. Der ehemalige Premierminister Viktor Orbán, der nach sechszehn Jahren an der Macht gestürzt worden war, hatte die staatliche Medienlandschaft streng kontrolliert.
Der neue Premierminister Péter Magyar beschrieb die Ankündigung als das Ende der Propagandaübertragungen auf den öffentlichen Medienplattformen. Sowohl der Fernsehkanal M1 als auch der Radiosender Kossuth stoppten die Sendungen am Dienstagnachmittag. Der M1 zeigte eine Botschaft, die besagte: „Öffentliche Medien sollten nicht lügen. Wir bedauern dies für so lange.“
Der Sender Kossuth wechselte die Frequenzen stattdessen zur Ausstrahlung des klassischen Musiksenders Bartok Radio. Kossuth fungierte normalerweise als zentrale Plattform für Nachrichten, aktuelle Angelegenheiten, Sport und Kultur. Die Websites beider Medien stürzten ebenfalls am Dienstagnachmittag ab, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Magyar bezeichnete den Schritt als einen historischen Tag, der das Ende der Propagandaübertragungen auf öffentlichen Medienplattformen markierte. Er erklärte, dass die Lügen über Nacht, tagsüber und auf jeder Frequenz nun beendet seien. Orbán äußerte sich in einem Beitrag auf Facebook und sah in dem Vorgehen ein weiteres Beispiel für die Tyrannei der Tisza-Partei. Er rief seine Anhänger stattdessen dazu auf, den Kanal Hir TV zu verfolgen, der mit seiner politischen Partei Fidesz verbunden war.
Magyar versprach den Ungarn „Regimwechsel“, als er durch eine überwältigende Wahlentscheidung an die Macht kam. Er hatte zuvor angedeutet, dass die Mehrheit der ungarischen Medien von Verbündeten Orbáns in Anspruch genommen worden war. Tage nach seiner Wahl erschien Magyar sowohl auf Kossuth Radio als auch auf M1 und bestätigte sein Ziel, die Nachrichtenübertragung auszusetzen und eine neue Rundfunkbehörde zu gründen, um die Pressefreiheit zu gewährleisten. TV2, ein kommerzieller Sender, der mit Fidesz verbunden war, hatte seit Magyars Amtsantritt seine Hauptredakteure und den Nachrichtenleiter abgesetzt.