Norwegen stand vor der Verurteilung im Rahmen des Vergewaltigungsprozesses gegen Marius Borg Høiby, den Sohn der Kronprinzessin. Am Montag sollten drei Richter das Urteil vor dem Bezirksgericht Oslo verkünden, welches die Tragweite seiner Strafe festlegte. Høiby, der 29 Jahre alt war, erschien aufgrund ungenannter gesundheitlicher Gründe per Videoübertragung. Er wies die schwerwiegendsten Anklagen ab, räumte jedoch einige geringfügige Vorwürfe bezüglich Drogen- und Verkehrsdelikte ein.
Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haftstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten, während die Verteidiger eine deutlich geringere Zeitspanne anstrebten. Høiby befand sich seit Februar in Haft, nachdem die Polizei ihn wegen angeblicher Körperverletzung und der Verletzung einer Schutzanordnung gegen eine Ex-Freundin festnahm. Versuche seiner Anwälte, ihn freizulassen, scheiterten wiederholt.
Die Situation belastete die königliche Familie zusätzlich. Die Kronprinzessin Mette-Marit litt stark, und ein Berufungsgericht hatte kürzlich den Antrag auf Entlassung für Høiby abgelehnt, damit er bei ihr sein konnte. Sie befand sich auf der Transplantationsliste, und ihre Ärzte erklärten, dass Personen auf dieser Liste nur ein Jahr für das Leben hätten. Die königliche Familie versuchte, Distanz zu wahren, während Prinz Haakon versucht, Unterstützung für Marius zu zeigen und gleichzeitig die Zeugenaussagen der Frauen und deren Familien zu verstehen.
Der Prozess war von öffentlichem Zorn geprägt, ausgelöst durch Enthüllungen über die dreijährige Freundschaft der Kronprinzessin mit dem verstorbenen Vergewaltiger Jeffrey Epstein. Die Kronprinzessin hatte ihre öffentlichen Auftritte eingestellt und trug eine Nasensonde, um atmen zu können. Diese Sympathie für die Kronprinzessin verhinderte jedoch nicht, dass Fragen über die Zukunft der königlichen Familie aufkamen, die monatelang in einer Krise verharrten.
Das Gericht entschied jedoch, dass die Anonymität nicht auf eine ehemalige Freundin und bekannte Influencerin Nora Haukland ausgedehnt werden durfte, deren Fotos und die des Angeklagten vom Gericht verboten wurden. Die Anklage betraf zudem die Vergewaltigung und das Schlagen sowie Ersticken der Frau. Die Staatsanwaltschaft forderte für eine Vergewaltigung drei Jahre Haft und für die anderen drei Anklagen jeweils zwei Jahre, wobei die norwegischen Urteile nicht aufeinanderfolgend fielen.
Die Verurteilung beendete eine Geschichte, die mit Høibys Verhaftung im August 2024 begann. Dennoch löste das Urteil nicht das familiäre Problem, das bereits vor über zwanzig Jahren von Prinzessin Ragnhild angesprochen worden war. Die institutionelle Krise und das Vertrauensproblem innerhalb der königlichen Familie blieben bestehen. Experten äußerten die Sorge, dass die öffentliche Empörung international zunahm, und dass die königliche Familie kaum eine Reaktion finden konnte, insbesondere angesichts der gesundheitlichen Lage der Kronprinzessin.