Die Vereinigten Staaten erhöhten den Druck auf Kuba, während die Insel durch Treibstoffmangel und Stromausfälle stark beeinträchtigt wurde. Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen die Anklagen gegen den ehemaligen Präsidenten Raúl Castro im Zusammenhang mit dem Abschuss von zwei Flugzeugen, die dem kubanisch-amerikanischen Verein „Brothers to the Rescue“ im Jahre 1966 gehörten. Die Anschuldigungen betrafen Castro und fünf weitere Personen und führten zu einer tiefen Spaltung in der politischen Landschaft.
Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel bezeichnete diese und andere gegen Castro erhobenen Vorwürfe als „politische Manöver ohne jegliche rechtliche Grundlage“. Gleichzeitig erklärte der US-Außenminister Marco Rubio Kuba für eine „nationale Sicherheitsbedrohung“ und äußerte die Wahrscheinlichkeit eines friedlichen Abkommens zwischen den beiden Ländern als gering.
Während die Anklagen gegen Raúl Castro bekannt gegeben wurden, waren viele Kubaner aufgrund der durchgehenden Stromausfälle, die die Insel erfassten, uninformiert und in Kommunikation abgeschnitten. Die Vereinigten Staaten verhängten eine nahezu vollständige Treibstoffblockade, welche nahezu jeden Aspekt des täglichen Lebens auf der Insel betraf.
Die Auswirkungen dieser Situation waren für die Bevölkerung unmittelbar spürbar. In Havana lebte Ana Rosa Romero, eine Witwe, die berichtete, dass Stromausfälle in ihrer Nachbarschaft ihr den Transport ihres verstorbenen Mannes erschwerten. Der Aufzug in ihrem Wohnhaus funktionierte selten, und sie sah sich mit der Gefahr konfrontiert, in ihrer Alterssituation auf den Treppen zu steigen. Die Hausverwaltung beklagte, dass viele Bewohner, insbesondere ältere Menschen mit Herzschrittmachern, keine Versorgung mit Wasser erhielten, solange sie nicht in der Dunkelheit Nachbarn zur Hilfe riefen.
Parallel dazu verfolgte die kubanische Regierung Pläne zur Bewältigung der Wohnungsnot. In Barrio Toledo wurden rund vierzig stillgelegte Frachtcontainer in zwei-Zimmer-Wohnungen umgewandelt. Kritiker befürchteten, dass die Hitze in den Metallhäusern unerträglich wurde, doch der Bauleiter Orlando Diaz argumentierte, dass diese Technik eine intelligente Lösung für die akute Wohnungskrise der Hauptstadt darstellte. Diaz erklärte, dass diese Methode bereits in anderen Ländern erfolgreich angewandt wurde.
Diaz teilte außerdem mit, dass er und die Arbeiter an der Baustelle an einer von der Regierung organisierten Demonstration am Freitag teilnahmen, um Raúl Castro gegen die US-Anklagen zu verteidigen. Er äußerte die Ansicht, dass die Anklagen gegen Raúl eine „verwerfliche Lüge“ seien und fragte, warum gegen ihn und nicht gegen Luis Posada Carriles angeklagt worden sei. Er betonte, dass Kuba und Venezuela unterschiedliche Staaten seien und dass man den Mut besitze, dieser Moment zu bewältigen.