Die Vereinigten Staaten erhoben Anklage gegen den ehemaligen kubanischen Führer Raúl Castro wegen Verschwörung zum Mord an US-Bürgern und anderer Verbrechen im Zusammenhang mit dem Absturz von zwei Flugzeugen im Jahr 1996. Die Ermittlungen, die am Mittwoch bekannt gegeben wurden, stellten eine Wiederaufnahme von Anklagen dar, die ursprünglich im Jahr 2003 angelegt worden waren. Die Anklage zielte auf Castro und fünf weitere Personen, die für den Absturz eines Flugzeugs der kubanisch-amerikanischen Gruppe „Brothers to the Rescue“ verantwortlich gemacht wurden und vier Menschen, darunter drei Amerikaner, töteten. Castro, der zu diesem Zeitpunkt neunundneunzig Jahre alt war und Leiter der kubanischen Streitkräfte, sah sich internationaler Verurteilung ausgesetzt.
Der US-Justizminister Todd Blanche verkündete, dass die Vereinigten Staaten Castro auch wegen der Zerstörung von Flugzeugen sowie vier Einzelanklagen wegen Mordes über die Todesfälle von Armando Alejandre Jr., Carlos Alberto Costa, Mario Manuel de la Peña und Pablo Morales anklagen würden. Blanche betonte in seiner Erklärung, dass die Vereinigten Staaten und Präsident Trump ihre Verpflichtung gegenüber ihren Bürgern wahrnehmen würden. Die neuen Anklagen richteten sich gegen eine zentrale Figur der kubanischen kommunistischen Führung angesichts des intensiven US-Drucks auf tiefgreifende politische und wirtschaftliche Reformen in der einparteienregierenden Struktur Kubas.
Ein Experte für lateinamerikanische Politik bemerkte, dass die Strategie darin bestand, den Druck schrittweise zu erhöhen, bis die kubanische Regierung nachgab und an den Verhandlungstisch trat. Gleichzeitig verhängten die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen Kuba und führten ein Ölembargo ein, welches zu Stromausfällen und Nahrungsmittelknappheit führte.
Auf die Botschaft der US-Außenministerin Marco Rubio folgte die kubanische Regierung mit Vorwürfen der Lüge und der Verhängung einer kollektiven Bestrafung. Präsident Miguel Díaz-Canel bezeichnete die Anklage gegen Castro als einen politischen Manöver ohne jegliche rechtliche Grundlage und behauptete, die USA würden die Fakten rund um den Absturz des Flugzeugs verfälschen. Kuba erklärte, es habe in „legitimer Selbstverteidigung innerhalb seiner Gerichtsbarkeit“ gehandelt.
Auf Nachfrage nach den Aussichten, Castro in die USA zu bringen, antwortete Blanche, dass ein Haftbefehl gegen ihn existierte und man erwartete, dass er entweder aus eigenem Willen oder auf anderem Wege erscheinen würde. Die kubanische Diaspora zeigte sich bei der Bekanntgabe der Anklage für Castro begeistert und sah darin eine notwendige Gerechtigkeit. Dennoch äußerte ein internationaler Beobachter die Skepsis, dass die kubanische Regime ohne Widerstand nachgeben würden. Die kubanische Seite zeigte deutliche Anzeichen einer weiteren Verfestigung ihrer „kein Kapitulation, keine Zugeständnisse“-Haltung gegenüber dem US-Druck, wobei die staatlichen Medien die Anklage als „falsche Anschuldigungen“ bezeichneten.