Das Vatikan exkommunizierte Hunderttausende von Anhängern der Gesellschaft des Heiligen Pius X (SSPX). Mehr als die Hälfte einer halben Million Christen, die dieser konservativen katholischen Gruppierung angehörten, erlitten diese Maßnahme. Die Exkommunikation betraf die Mitglieder der SSPX, die sich gegen die Modernisierungsreformen der katholischen Kirche stellten.
Die SSPX, benannt nach dem Papst Pius X, der sich gegen die Modernisierung wehrte, hatte im Jahr 1970 gegründet. Die Gesellschaft umfasste schätzungsweise sechzigtausend Gläubige weltweit. Als Reaktion auf das Vatikan-Dekret konsekrierten die SSPX vier neue Bischöfe in Genf gegen die direkte Anweisung des Papstes Leo XIV. In Antwort exkommunizierten sechs Bischöfe der Gesellschaft. In einer höchst ungewöhnlichen Entscheidung erklärte das Vatikan zudem, dass alle Laienmitglieder der Gruppe „schismatic und exkommuniziert“ seien.
Das Vatikan besagte, dass jene, die die Gruppe verließen und der Rückkehr zur römisch-katholischen Kirche wünschten, mit „aufrichtiger Zuneigung“ empfangen würden. Die SSPX lehnte Änderungen bei der Feier der Messe ab. Sie hielten ihre Dienste weiterhin in Latein ab und die Priester standen vor dem Altar anstatt vor der Gemeinde. Die Kommunion wurde den Anwesenden direkt in den Mund gegeben, was sich von der üblichen katholischen Praxis unterschied.
Die SSPX vertrat eine sozial konservative Haltung und lehnte auch die Position der modernen katholischen Kirche bezüglich des Dialogs mit anderen christlichen Konfessionen und anderen Glaubensrichtungen ab. Für einige Anhänger, wie Rita Reid, waren die Zeremonien viel „tiefer“, da sie die wahre Gegenwart Jesu erlebten, im Gegensatz zur Standardmesse, die sie als „so schwach und widersprüchlich“ beschrieben.
Die Exkommunikation stellte eine der härtesten Strafen dar, welche die Kirche verhängen konnte. Sie bedeutete, dass ein getaufter Anhänger „aus der Gemeinschaft“ der Kirche war und die Sakramente, beispielsweise die Beichte oder die Ehe innerhalb der römisch-katholischen Kirche, nicht empfangen konnte. Das Vatikan erklärte, dass die sakralen Diener der SSPX die Sakramente unrechtmäßig vollzogen und die von ihnen vollzogenen Bußhandlungen sowie die von ihnen bezeugten Ehen ungültig seien.
Viele SSPX-Mitglieder glaubten jedoch, dass das Vatikan von der wahren Doktrin abgewichen war, nicht die Gruppe selbst. Die Gruppe befand sich dadurch weit entfernt vom Zentrum der Macht der römisch-katholischen Kirche, was die tiefgreifenden theologischen Konflikte verdeutlichte.