Die Doppel-Erdbeben, die letzte Woche Venezuela heimsuchten und Magnituden von 7,2 und 7,5 aufwiesen, verursachten erhebliche Zerstörungen. Schätzungen basierend auf vorläufigen Satellitendaten deuteten darauf hin, dass über 58.000 Gebäude beschädigt oder zerstört worden waren. Die Erschütterungen töteten mindestens 1.943 Menschen und verletzten über 10.571 Personen, während Zehntausende verschwanden unter den Trümmern. Die Vereinten Nationen berichteten, dass bis zu sechs Millionen Menschen von den Katastrophen betroffen waren und dringenden Schutz, Wasser, sanitäre Einrichtungen sowie medizinische Hilfe benötigten.
Die Bestimmung des tatsächlichen Schadens verlief zögerlich. Während die nationale Versammlung präliminär 855 Gebäude als beschädigt erfasste, deuteten Analysen von hochauflösenden Radardaten der europäischen Raumfahrtagentur Sentinel-1 auf eine weitaus größere Zerstörung hin. Forscher der Oregon State University kamen zu dem Schluss, dass schätzungsweise 58.870 Gebäude in der betroffenen Region beschädigt oder zerstört worden waren. Diese erste Einschätzung reflektierte eine plötzliche Oberflächenveränderung, die mit den Schäden übereinstimmte.
Parallel dazu geriet das Gesundheitssystem in Venezuela unter extremen Druck. Die Weltgesundheitsorganisation warnte vor möglichen Krankheitsausbrüchen, da die überlasteten medizinischen Einrichtungen die Folgen der Erschütterungen kaum bewältigen konnten. Sprecher der WHO berichteten, dass die Kapazitäten der Dienste überschritten waren. Es bestand ein erhöhtes Risiko für Ausbrüche von Krankheiten wie Masern und Diphtherie, bedingt durch niedrige Impfquoten vor den Beben, sowie für Gelbfieber, Malaria und Zika.
Die WHO stellte zudem Mängel in der Geburtsversorgung in der stark betroffenen Hafenstadt La Guaira fest, da bei den medizinischen Fachkräften nach den Erschütterungen Personen fehlten. Es gab Probleme bei der Registrierung der Opfer und der Verfolgung vermisster Personen. Die Regierung militarisierte La Guaira und verlangte Genehmigungen für den Zutritt zur Katastrophenzone. Die US-Streitkräfte reparierten den Hafen und nutzten einen Lagerraum als provisorisches Leichenhaus für unidentifizierte Körper. Die Vereinten Nationen koordinierten die Suche und Rettung: Sie mobilisierten fast 40 Such- und Rettungsteams aus 27 Ländern, welche über 2.000 Truppen und 160 Hunde umfassten.
Die Wartezeit auf Nachrichten führte zu wachsender öffentlicher Verärgerung über die mangelnde Vorbereitung der Behörden und die verzögerte Reaktion auf die Katastrophe. Ein Bürger berichtete von der unerträglichen Situation in La Guaira, wo Helfer zwar eintrafen, aber die benötigte technische Ausrüstung fehlte. Ein Freiwilliger berichtete von der erschreckenden Zerstörung, wobei er feststellte, dass die Mehrheit der Wohngebäude, von kleinen Häusern bis zu großen Wohnblöcken, stark beschädigt war. Die Lage stellte eine tiefe Notlage dar, und die dringende Hilfe blieb unerlässlich.