Eine journalistische Beobachterin erlebte in der Hauptstadt Caracas eine Erschütterung, die sie als das stärkste Erdbeben ihrer gesamten Existenz beschrieb. Nicole Kolster berichtete, dass sie die Fenster bewegten sah und sich zwischen der Eingangstür und einer Steinmauer verbarrikadierte, um sich zu schützen. Am Mittwoch trafen zwei Erdbeben in der Stadt in wenigen Sekunden ein: das erste mit einer Stärke von 7,2 und das zweite mit 7,5. Fotos zeigten eingestürzte Gebäude und Menschenmengen auf den Straßen, doch die genaue Zahl der Opfer und das volle Ausmaß der Schäden blieben unbekannt.
Kolster erklärte gegenüber der BBC Mundo, dass die Erschütterung so intensiv war, dass sie befürchtete, das Gebäude würde auf sie einstürzen. Sie verharrte in ihrer siebten Etage, bis Nachbarn die Evakuierung riefen. Eine Stunde nach dem Beben warteten viele Menschen draußen auf mögliche Nachbeben, um Sicherheit zu gewährleisten.
Die Erschütterungen trafen die Stadt an einem Feiertag, der die Schlacht von Carabobo und den Sieg Simón Bolívars über die spanische Kolonialmacht feierte. Trotz des Feiertags befanden sich viele Menschen zu Hause, als die Ereignisse stattfanden.
In den betroffenen Gebieten zeigten Bilder und Videos, wie einige Menschen in Tränen ausbrachen und andere auf den Straßen umarmten. Einige Bewohner berichteten von Verzweiflung, weil sie ihre Haustiere nicht retten konnten. Andere versuchten, ihre Fahrzeuge aus den Kellern der Gebäude zu befreien, da sie befürchteten, dass ein Nachbeben die Lage verschlimmern würde.
In den betroffenen Gebieten hörte man Rufe um Hilfe aus den Trümmern eines einstürzenden Gebäudes. Eine andere Bewohnerin aus dem Bezirk Palos Grandes berichtete, dass die Erschütterungen Wände in ihrer Wohnung brachen. Sie erwähnte zudem, dass Strom und Signal fehlten und Strommasten außerhalb eingestürzt waren.
Dies war nicht das erste Mal, dass die Hauptstadt von Venezuela von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Bereits im Jahr 1967 traf ein Erdbeben der Stärke 6,6 Caracas und tötete über 200 Menschen und zerstörte Gebäude in Palos Grandes sowie im wohlhabenden Viertel Altamira. Einige Anwohner, die das Erdbeben von 1967 erlebt hatten, empfanden das aktuelle Ereignis als noch schlimmer. Ein Bewohner aus dem östlichen Caracas berichtete von einem lauten Zusammenbruch und dem Fallen von Gegenständen in seinem Haus, was er als etwas beschrieben, das er noch nie erlebt hatte. Eine achtzigjährige Rentnerin beschrieb das Erdbeben als schrecklich, sogar schlimmer als das Ereignis von 1967.