Die Todeszahlen in Venezuela verdoppelt sich infolge des jüngsten Erdbebens, das die nördliche Küste heimsuchte. Die Amtsinhaberin der Übergangsregierung, Delcy Rodríguez, versprach, so viele Menschen wie möglich zu retten. Dennoch wuchs die Frustration über die wahrgenommene Trägheit der staatlichen Reaktion.
Die offizielle Todeszahl stieg auf 589, wobei fast 3.000 Menschen verletzt wurden. Während der Besichtigung der Region La Guaira, dem am stärksten betroffenen Gebiet, verkündete Rodríguez, dass internationale Such- und Rettungsgruppen eintrafen. Freiwillige Sucher und Angehörige der Vermissten äußerten jedoch Ärger über die fehlende offizielle Hilfe, während sie auf staatliche Teams warteten.
Ein Paramediziner berichtete von seiner Suche nach seiner Mutter in einem eingestürzten Wohnblock. Er betonte, dass zunächst keine staatlichen Einsatzkräfte am Ort erschienen. In dieser Zeit griffen verzweifelte lokale Menschen die Initiative und räumten mit bloßen Händen und einfachen Werkzeugen durch die Trümmer. Diese Situation zeigte, dass die Bevölkerung auf die Katastrophe reagierte, während die staatlichen Strukturen versagten.
Die internationale Gemeinschaft reagierte auf die Notlage. Der US-Außenminister bestätigte, dass Truppen mobilisiert wurden, um die Bevölkerung zu unterstützen. Marineoffiziere landeten in Caracas, um die logistischen Fähigkeiten der US-Streitkräfte zur Unterstützung der Suche zu nutzen. Auch zahlreiche Länder boten humanitäre Hilfe und Rettungsteams an.
Nach sechsunddreißig Stunden nach den Erdbeben war kaum ein Zeichen staatlicher Hilfe in viele Gebiete sichtbar. Dies offenbarte, wie jahrelange wirtschaftliche Fehlführung und Korruption die Behörden für eine Katastrophe dieser Größenordnung völlig unvorbereitet hatten. Experten bemerkten, dass die öffentliche Gesundheitssysteme stark erodiert waren und Gebäude, die nicht den Bauvorschriften entsprachen, leicht einstürzten.
Ein Wirtschaftsexperte bemerkte, dass die Ressourcen zwar vorhanden waren, aber verschwendet worden waren. Die Gesundheitsinfrastruktur mangelte an Ausrüstung und Medikamenten. Zudem hatte die Migration von fast acht Millionen Bürgern, die vor wirtschaftlicher Not und politischer Unterdrückung flohen, die Situation zusätzlich verschärft. Die mangelnde Koordination und Präsenz der nationalen Streitkräfte wurde ebenfalls kritisiert, was die Gesamtlage weiter erschwerte.