Zwei starke Erdbeben erschütterten Venezuela nahe der Hauptstadt Caracas. Die Erschütterungen führten zu mindestens 188 Todesfällen und über 1.500 Verletzten. Die Rettungskräfte suchten unter den Trümmern nach Überlebenden, während in Caracas und der Küstenstadt La Guaira Ruinen herrschten.
Die erste seismische Aktivität, eine Erschütterung der Stärke 7,2, folgte nur wenige Sekunden später einer noch stärkeren Erschütterung von 7,5, wie die US-Geologische Survey (USGS) berichtete. Da beide Beben nahe an der Erdoberfläche stattfanden, war die Zerstörung besonders gravierend. Viele Menschen fürchteten, dass weitere Personen tot waren oder in den zerstörten, unsicheren Gebäuden auf der Straße verstarben.
Die Erdbeben trafen am Mittwochabend um 18:04 Uhr Ortszeit ein. Da dies ein nationaler Feiertag in Venezuela war, befanden sich voraussichtlich mehr Menschen zu Hause als an einem normalen Wochentag. Die USGS stellte fest, dass beide Beben flach waren: das erste zentrierte sich 20,3 Kilometer unter der Oberfläche, das zweite jedoch in einer Tiefe von 10 Kilometern.
Die Todeszahlen stiegen nach dem Eintreten der Erschütterungen. Der Präsident der Nationalversammlung Venezuelas berichtete am Donnerstag über den Anstieg der Opferzahlen, woraufhin der interimistische Präsident Delcy Rodríguez den Notstand ausrief. Mehrere Länder versprachen Unterstützung für die Rettungsarbeiten, wobei die Vereinigten Staaten 150 Millionen Dollar als Hilfe zusicherten.
Die Behörden berichteten über den Schaden an Gebäuden, wobei 250 Gebäude beschädigt oder verloren gingen, insbesondere in La Guaira. Bürgermeister Gustavo Duque von Chacao erklärte, dass in einem zerstörten Gebäude elf Menschen gestorben und dreiundzwanzig gerettet worden seien. Der internationale Flughafen Venezuelas in Maiquetía musste aufgrund schwerer Schäden geschlossen werden. Nach den Erdbeben folgten weitere Nachbeben, die mindestens 30 Mal registriert wurden.
Die USGS prognostizierte, dass die Todesfälle weiter ansteigen würden. Sie schätzten eine 42-prozentige Wahrscheinlichkeit für mehr als 10.000 Todesfälle und eine 33-prozentige Wahrscheinlichkeit für mehr als 100.000 Todesfälle. Diese Zahlen dienten der Unterstützung der Notfallreaktion und waren keine exakten Vorhersagen. Die Erdbeben wurden wahrscheinlich durch die plötzliche Freisetzung von Reibung zwischen zwei tektonischen Platten verursacht.