Eine unbestimmte Stillleben-Darstellung, die im Lagerraum des Nationalmuseums in Oslo gefunden wurde, erregte Aufsehen. Cynthia Osiecki, die die Arbeit studierte, vermutete, dass das Gemälde einer unbekannten Künstlerin entsprang. Die Entdeckung stellte die bisherige Zuordnung infrage und eröffnete neue Perspektiven für die Kunstgeschichte. Das Werk, datiert auf etwa 1620, zeigte neun frischgelegte Vögel, Haselnüsse, Aprikosen und einen Fliehkäfer auf einem Traubenbündel. Es galt einst als Werk eines Mitglieds der berühmten Familie der antwerpischen Künstler Ambrosius Brueghel. In der frühen zwanzigsten Jahrhunderts wurde die Zuschreibung jedoch neu bewertet und das Gemälde als „anonym“ klassifiziert. Seitdem lag es überwiegend im Lager.
Osiecki begann, die Arbeit mit den Werken von Clara Peeters zu vergleichen, einer bekannten, aber enigmatischen Künstlerin, die die Grenzen der Stilllebenmalerei im nordeuropäischen Barockzeitraum verschob. Sie stellte fest, dass die Leinwand aus einem Lieferanten stammte, den Peeters häufig verwendete. Zudem bemerkte sie Ähnlichkeiten in der Gestaltung der Komposition, insbesondere bei der Anordnung der Vögel, der Trauben und der Nüsse. Ein Problem bestand jedoch in der fehlenden Signatur des Oslo-Gemäldes. Die Holztafel hatte jedoch Schäden erlitten, und der Bereich, der durch Wurmholz angegriffen wurde, befand sich an der unteren Kante – genau dort, wo Peeters ihre Werke üblicherweise signierte.
Es wurde zunehmend wahrscheinlich, dass das Gemälde von Peeters geschaffen worden war, doch ein entscheidendes Detail fehlte. Peeters zeichnete sich durch die Einbeziehung von Miniaturporträts aus, oft als Reflexionen in Metall- oder Glasobjekten oder auf glänzenden Früchten. Osiecki sah Formen auf den Trauben, die wie Umrisse menschlicher Figuren aussah. Diese könnten die Künstlerin selbst gewesen sein, deren Bild während der Konservierung verloren gegangen war.
Später wurde das Gemälde offiziell der Künstlerin Clara Peeters zugeordnet. Es wurde zu einem der Hauptausstellungen in der Sonderausstellung „Frauenmalerinnen“ im Nationalmuseum Norwegens. Die Ausstellung präsentierte Werke weiblicher Künstlerinnen aus Nordeuropa und Italien zwischen 1550 und 1650, darunter Artemisia Gentileschi und Judith Leyster.
Die Neuinterpretation dieser Arbeit zeigte, wie sich die Kunstgeschichte erweiterte, um Künstlerinnen einzubeziehen, deren Werke verloren gegangen oder ignoriert blieben. Die Suche nach unbekannten Künstlerinnen, deren Werke „anonym“ gekennzeichnet waren, begann durch die Wiederentdeckung bekannter Werke aus dem Lager. Osiecki versprach, dass die Suche nach solchen Funden weitergehen würde, da die Forschung die Anzahl der Künstlerinnen, die in die Kunstgeschichte aufgenommen wurden, vergrößerte.