Donald Trump betrachtete die Einladung zu einem Abendessen mit Emmanuel Macron im prächtigen Schloss Versailles als den eigentlichen Wert, nicht bloß als Goldfolie. Für einen US-Präsidenten, der sich selbst als König verglich und das Oval Office mit Goldbemalung und Ornamenten neu gestaltete, bot der Palast eine perfekte Kulisse für eine solche Begegnung. Das Schloss Versailles, gelegen auf einem Gelände von über achthundert Hektar westlich von Paris, fungierte als historischer Sitz königlicher Macht und als Symbol der Französischen Revolution.
Das Bauwerk stellte eine der größten Errungenschaften der Kunst des siebzehnten Jahrhunderts dar und diente als architektonische Verkörperung des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Es beherbergte Louis XVI, als die Frauenmarsch nach Versailles den Beginn des Endes der französischen Monarchie im Jahr 1789 markierte. Emmanuel Macron nutzte den Palast als Symbol für französischen Luxus, Macht und Diplomatie. Er empfing beispielsweise 2017 Wladimir Putin dort und 2023 König Charles in der berühmten Galerie der Spiegel. Er verwendete das Schloss regelmäßig als Schaufenster für Investitionsgipfel.
Trump plante, Schlüsselräume des Schlosses zu besichtigen, bevor er im Unteren Galeriebereich zum Abendessen saß, dessen Terrasse einen Blick auf die Gärten bot. Der Tisch wurde inmitten einer Ansammlung von Statuen platziert, die vom Sonnenkönig selbst in Auftrag gegeben worden waren. Es war selten, dass ein US-Präsident als Hauptgast ohne andere ausländische Staatsmänner bei Versailles empfangen wurde; John F. Kennedy war beispielsweise 1961 für ein Staatsempfang eingeladen. Die weite Anlage faszinierte auch amerikanische Millionäre, wobei das Marble House der Vanderbilts in Newport, Rhode Island, von seiner Architektur inspiriert wurde.
Auch der französische Prunk und die Inszenierung dienten als Inspiration für Trump. Als er 2017 in den Pariser Militärparade der Bastille-Tag-Feier eingeladen wurde, äußerte er Interesse an einer ähnlichen Demonstration von Stärke in seiner Heimat. Trump lobte zudem das Élysée-Palast, das mit 365 Räumen und doppelt so groß wie das Weiße Haus war.
Ob das Abendessen in Versailles Trumps neuen Ideen für große Entwürfe und Dekorationsprojekte in den Vereinigten Staaten lieferte, blieb offen. Die Begegnung bot eine Plattform, auf der die Macht und Geschichte Frankreichs zur Schau gestellt wurden, während die politischen Implikationen für die amerikanische Gestaltung noch unklar blieben.