Berichte der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte (IACHR) zeigten eine alarmierende Entwicklung bei den Verschwinden in Mexiko. Die Untersuchung enthüllte, dass staatliche Akteure bei den Verschwinden in einem besorgniserregenden Tempo involviert waren. Mehr als 130.000 Menschen verschwanden, wobei die Zahlen in den letzten zwanzig Jahren seit der Kriegserklärung gegen Drogenkartelle stiegen. Die umfassende Untersuchung zeichnete ein düsteres Bild der Krise, die durch die Verstrickung staatlicher Stellen in die Verbrechen der organisierten Kriminalität gekennzeichnet war.
Obwohl kriminelle Banden den Grossteil der Verschwinden verursachten, stellte die IACHR fest, dass viele dieser Verbrechen in enger Absprache und Koordination mit staatlichen Beamten stattfanden. Die Berichte beschrieben eine beunruhigende Anzahl von Fällen, in denen staatliche Sicherheitsakteure direkt an Verbrechen wie Folter, erzwungenen Verschwinden und der Entführung beteiligt waren. Die Praxis des erzwungenen Verschwindens, bei dem eine Person extrajudiziell vom Staat getötet und der Körper anschließend zerstört oder verborgen wurde, hatte eine lange Geschichte in Mexiko.
In jüngerer Zeit nutzten organisierte Kriminalitätsgruppen diese Taktik, um lokale Gemeinschaften zu terrorisieren oder Beweise für Mordfälle durch Verbrennung der Leichen oder Vergrabung in Massengräben zu vernichten. In den letzten zehn Jahren stiegen die Verschwinden um mehr als zweihundert Prozent. Die IACHR bemerkte, dass staatliche Akteure oft indirekt beteiligt waren, indem sie Menschen ohne richterliche Anordnung aus ihren Wohnungen oder Autos entführten und diese kriminellen Gruppen übergaben, oder indem sie diese Verbrechen ignorierten.
Die Kommission stellte zudem fest, dass organisierte Kriminalität staatliche Beamte für Sicherheitsaufgaben, Strafverfolgung und sogar politische Ämter rekrutierte. Die mexikanische Regierung, darunter Präsidentin Claudia Sheinbaum, lehnte diese Behauptungen entschieden ab und erklärte, es existiere in Mexiko kein erzwungenes Verschwinden durch den Staat. Die Regierung wies UN-Berichte, die erzwungene Verschwinden als Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschrieben, als voreingenommen und abweisend zurück.
Aktivisten kritisierten, dass die Behörden versuchten, die Tragweite des Problems herunterzuspielen. Eine Behörde präsentierte einen Bericht, der suggerierte, dass ein Drittel der Verschwindensfälle keine ausreichenden Daten besaß, wodurch etwa 40.000 vermisste Personen in den Schatten gestellt wurden. Die IACHR betonte, dass die Familien selbst in Kollektiven organisierten, um nach ihren Angehörigen zu suchen, was ihnen erhebliche institutionelle Herausforderungen bereitete. Die mangelhafte Justizsystematik konnte der katastrophalen Krise nicht begegnen, da die Unparteilichkeit in Mexiko ein unüberwindbares Problem blieb.