Zwei Jahre nach der Eröffnung des Ram-Tempels in Ayodhya geriet der heilige Schrein in eine heftige Kontroverse. Es wurden Vorwürfe erhoben, dass Spenden von Gläubigen im Wert von Millionen Rupien veruntreut worden seien. Der Tempel, der als wichtiges Pilgerzentrum in Indien gilt, stand im Fokus politischer und juristischer Prüfungen.
Der Tempel in Uttar Pradesh, der durch den Abriss einer Moschee im Jahr 1992 entstand, entwickelte sich schnell zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Er zog jährlich schätzungsweise fünfzig Millionen Besucher an. In jüngster Zeit lösten Fragen bezüglich der Handhabung von Bargeld, Schmuck und Gold, die von den Gläubigen dargebracht wurden, eine politische Kontroverse aus. Infolge dieser Vorwürfe reichten Petitionen beim Obersten Gerichtshof ein, welche eine Untersuchung durch die Bundespolizei verlangten.
Das Shri Ram Janmabhoomi Teerth Kshetra Trust, das den Schrein verwaltete, lehnte jegliche Unregelmäßigkeiten ab. Die Landesregierung bildete ein dreiköpfiges Sonderermittlungsteam (SIT), um die Anschuldigungen zu prüfen. Nach einem vorläufigen Bericht des SIT registrierte die Polizei in Ayodhya am Donnerstag einen Fall von mutmaßlicher Veruntreuung und nannte acht Personen. Alle acht Verdächtigen befanden sich in Untersuchungshaft und wurden befragt.
Ein ehemaliger Stadtverordneter erhob Vorwürfe, dass über siebzig Millionen Rupien verschwunden seien. Der Tempel-Trust bestritt die Behauptungen, dass Spenden oder Opfergaben unsachgemäß behandelt worden seien. Der Generalsekretär des Trusts erklärte in einer Videoaussage, dass die Verwaltung der Spenden und die Zählräume regelmäßig von den Treuhändern und Mitarbeitern sowie einigen Mitarbeitern der State Bank of India überprüft worden seien. Er betonte, dass bisher keine Diskrepanzen festgestellt worden seien.
Die Kontroverse betraf ein religiös höchst bedeutsames Zentrum. Die Debatte berührte die jahrzehntelange politische und rechtliche Auseinandersetzung um das Land und die Errichtung des Tempels. Viele Hindus betrachteten Ayodhya als Geburtsstätte der Gottheit Ram. Die Errichtung des Tempels wurde als zentrales Wahlversprechen der Bharatiya Janata Party (BJP) gesehen und trug zur politischen Entwicklung des Landes bei.
Die Kontroverse begann mit Mahipal Singh, der zuvor die Buchhaltung des Trusts überwachte und nun als Hinweisgeber auftrat. Singh äußerte interne Bedenken bezüglich der Handhabung von Bargeld und Edelmetallen. Seine Bedenken fanden politische Aufmerksamkeit, als ein ehemaliger Staatsminister und Vorsitzender der Samajwadi Party Fragen zur mutmaßlichen Veruntreuung stellten. Mehrere Politiker aus Opposition und der BJP forderten eine Untersuchung der finanziellen Unregelmäßigkeiten. Das SIT bat um zusätzliche Zeit zur Fertigstellung der Ermittlungen. Ein oberster Gerichtshofjurist schrieb zudem einen Brief an den Premierminister, den Staatsminister und den Obersten Richter und forderte eine Untersuchung durch die Zentralstelle für Unzulässigkeit, um das Vertrauen der Gläubigen wiederherzustellen.