Die politische Lage in Westbengalen ist nach den jüngsten Ereignissen stark angespannt. Nach der Wahl erklärte die Bharatiya Janata Partei (BJP) ihren Sieg über die Trinamool Congress (TMC), die das Landesparlament seit fünfzehn Jahren regierte. Diese Ergebnisse lösten erhebliche Unruhen aus, da Vertreter der TMC weitreichende Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung anprangerten und die BJP der „Plünderung“ der Wahl beschuldigten. Mamata Banerjee lehnte eine Rücktrittsanfrage ab und betonte, dass sie nicht besiegt worden sei.
Am Mittwochabend wurde Chandranath Rath, ein Assistent des BJP-Leiters Suvendu Adhikari, in seinem Fahrzeug nahe der Hauptstadt Kalkutta von Schützen erschossen. Rath wurde im Krankenhaus verstorben. Adhikari, der als Spitzenkandidat für den nächsten Ministerpräsidenten galt, äußerte sich empört über den Vorfall und behauptete, die Tötung sei eine vorsätzliche und kalkulierte Mordhandlung gewesen, die nach einer zwei- bis dreitägigen Vorbereitung erfolgte. Er verband den Mord direkt mit seinem Sieg über Mamata.
Die TMC lehnte jegliche Beteiligung an der Tötung ab und forderte eine unabhängige Untersuchung. Die Polizei berichtete über die Verhaftung von über zweihundert Personen im Zusammenhang mit der Wahlgewalt. Zudem wurden Anschuldigungen gegen die BJP erhoben, die Partybüros der TMC anzabrennen und eines in Kalkutta zu zerstören. Die BJP wies diese Vorwürfe entschieden zurück.
Die jüngste Wahl war besonders umstritten, da die Regierung eine Sonderrevision der Wählerliste durchführte, welche Millionen von Wählern, überwiegend Muslime und Minderheiten, kurz vor der Wahl vom Wahlrecht ausschloss. Zur Sicherung der öffentlichen Ordnung wurden während der Abstimmung eine beispiellose Anzahl von Polizeikräften und paramilitärischen Kräften in das Bundesland entsandt, deren Einsatz für die nächsten sechzig Tage fortgesetzt wird. Der Sieg der BJP wurde als bedeutender politischer Erfolg für die hinduistische nationalistische Partei gewertet, da sie nun mehr als siebzig Prozent der Landesregierung auf Landesebene kontrollierte.