Eine neue Studie hat aufgedeckt, dass wirtschaftliche Ungleichheit jährlich zusätzliche hunderttausend Todesfälle durch extreme Hitze und Kälte in Europa verursacht. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Verringerung der Ungleichheit auf das Niveau der gleichmäßigsten Regionen Europas, gemessen am Gini-Index, die sterbenden Menschen durch Temperaturextreme um bis zu dreißig Prozent reduzieren könnte. Dies entspricht einer potenziellen Senkung von über hunderttausend Todesfällen.
Die Analyse belegt, dass hohe Sterblichkeitsraten im Zusammenhang mit Hitze und Kälte mit verschiedenen Indikatoren für Notlagen korrelieren. Dazu gehören Armut und die Unfähigkeit, ein Zuhause angemessen zu beheizen. Forscher stellten fest, dass die Reduzierung der materiellen und sozialen Verelendung auf das Niveau der am wenigsten benachteiligten Regionen, wie Zentral-Schweiz, zu einer Verringerung von fünfundfünfzigtausend Todesfällen führen würde.
Die Untersuchung lieferte zudem eine detaillierte Betrachtung der regionalen Unterschiede. Reichere Gebiete verzeichneten weniger Todesfälle durch Kälte, was auf bessere Isolierung, verbesserte Gesundheitsversorgung und geringere Energiearmut zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu stiegen die Todesfälle durch Hitze in städtischen Gebieten an, was auf den städtischen Hitzeinsel-Effekt hindeutet, bei dem Städte durch Asphalt und mangelnde Grünflächen höhere Temperaturen erleben.
Die Forschung stellt die erste quantitative Erfassung dar, welche die Auswirkungen sozialer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten auf die Verluste während der extremen Wetterperioden Europas darstellt. Die Wissenschaftler betonen, dass die Berücksichtigung der Gleichheitsperspektive in politischen Maßnahmen auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene entscheidend ist, um zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen.
Obwohl Kälte derzeit eine größere Bedrohung für die menschliche Gesundheit darstellt, prognostizieren Wissenschaftler, dass sich diese Beziehung ändern könnte, da die globale Erwärmung die Temperaturen weiter ansteigen lässt. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, kurzfristige Hilfsmaßnahmen für gefährdete Gruppen zu ergreifen und langfristig strukturelle Ungleichheiten in Europa abzubauen.