Xi Jinping empfing in diesem Jahr über ein Dutzend Staatschefs. Diese Besuche signalisierten, dass die sogenannten Mittelmächte eine unabhängige Beziehung zu Peking suchten, um sich gegen eine zunehmend unberechenbare amerikanische Politik zu positionieren. Die Vielzahl der Besucher, darunter Präsidenten und Premierminister wie Vladimir Putin und Keir Starmer, spiegelte die wachsende Anerkennung der globalen Bedeutung Chinas wider.
Peking nutzte diese diplomatischen Gelegenheiten, um die alternative multipolare Weltordnung zu fördern, die es anbot. China präsentierte sich als Quelle der Stabilität und als Kreditgeber für ärmere Länder, während die Vereinigten Staaten aus ihrer führenden Position auf der Weltbühne zurücktraten. Diese Strategie diente dazu, das Vertrauen der anderen Staaten in die amerikanische Führung zu schwächen.
Ein zentraler Bestandteil dieser Politik war die Annäherung an autoritäre Regime und Länder des Globalen Südens. Der Militärchef und Präsident Myanmars erhielt in Peking eine besondere Behandlung. China signalisierte seine feste Unterstützung für das Regime von Min Aung Hlaing und bekräftigte das Prinzip der Nicht-Einmischung in die inneren Angelegenheiten des betroffenen Landes.
Diese Haltung stellte die Legitimität der Militärherrschaft in Myanmar in Frage. Obwohl Min Aung Hlaing von UN-Experten für Kriegsverbrechen und Völkermord in Myanmar angeklagt wurde, akzeptierte Peking die Legitimität der Militärherrschaft. Dies galt als Teil von Xi’s breiterem Plan, die internationale Ordnung zu beeinflussen und zu festigen, dass kein Staat das Recht hatte, anderen vorzuschreiben, wie sie ihre inneren Angelegenheiten regeln sollten.
Auch bei sensiblen internationalen Konflikten zeigte China eine zurückhaltende Haltung. Bei der Frage des nuklearen Waffenprogramms Nordkoreas wich Peking der öffentlichen Stellungnahme aus, was als stillschweigende Akzeptanz des nuklearen Status Nordkoreas interpretiert wurde. Obwohl China zunächst zur Deeskalation zwischen Saudi-Arabien und Iran beitrug, übte es keinen entscheidenden Einfluss auf die Konfliktlösung aus. Im Krieg in der Ukraine blieb Chinas 12-Punkte-Plan für eine politische Einigung, der 2023 veröffentlicht wurde, im Schatten der anhaltenden Unterstützung Russlands für die Invasion.