Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte am Samstag vor einem bevorstehenden massiven Angriff aus Moskau und forderte die Bevölkerung auf, besondere Vorsicht walten zu lassen. Russische Angriffe in verschiedenen Regionen führten zu mindestens sechs Todesfällen. Die russischen Streitkräfte attackierten die südöstliche Stadt Saporischschja mit Gleitbomben, wodurch fünf Menschen starben und zehn verletzt wurden. In der Nähe der russischen Grenze tötete ein Bombenangriff eine Person am Stadtrand von Sumy. Weiterhin meldete der regionale Gouverneur Oleksandr Prokudin im südlichen Cherson-Gebiet einen Todesfall infolge eines Drohnenangriffs auf ein Dorf nördlich der Hauptstadt.
Selenskyj betonte in seiner nächtlichen Videoansprache die dringende Notwendigkeit, auf Luftangriffswarnungen besonders zu achten. Er erklärte, die russischen Kräfte bereiteten sich auf einen umfassenden Angriff vor und bat die Bürger, auf sich aufzupassen. Diese Warnung erfolgte inmitten weiterer militärischer Entwicklungen, die die Lage in der Ukraine weiter verschärften.
Die Infrastruktur der Ukraine sah ebenfalls erhebliche Belastungen. Die Internationale Atomenergiebehörde berichtete, dass das Kernkraftwerk Saporischschja das zwanzigste Mal den externen Strom verlor. Dies geschah aufgrund eines Problems in den internen Stromleitungen, welches die einzige verbleibende 330-kV-Verbindung, Ferosplavna-1, beeinträchtigte. Notstromaggregate wurden aktiviert, um die Reaktorkühlung und andere wesentliche nukleare Sicherheitsfunktionen aufrechtzuerhalten.
Parallel dazu eskalierte die diplomatische Spannung. Der russische Außenminister Sergei Lawrow warnte vor einer Eskalation zwischen Russland und der NATO, die zu einem nuklearen Schlagabtausch mit katastrophalen Folgen führen könne. Er betonte, dass die Erweiterung des nuklearen Schutzes durch Paris und andere europäische Staaten die Sicherheit Frankreichs nicht stärkte.
Im politischen Bereich wurden zudem Spannungen sichtbar. Präsident Selenskyj akzeptierte ein Friedensangebot von dem brasilianischen Führer Luiz Inácio Lula da Silva, um an einem Friedensabkommen in den russischen Konflikt zu arbeiten. Gleichzeitig traten diplomatische Risse auf, als Selenskyj ein polnisches Staatsschild zurückzog, nachdem Präsident Karol Nawrocki ihm den höchsten polnischen Ehrenpreis entzogen hatte. Diese Entwicklungen zeigten die tiefe Spaltung zwischen den strategischen Partnern und die anhaltende Unsicherheit in der Region.