Die Zentralbank Australiens (RBA) fasste in einem einstimmigen Beschluss die Zinssätze auf 4,35 Prozent. Diese Entscheidung entsprach den Erwartungen der Marktteilnehmer. Obwohl die jüngsten Inflationszahlen niedriger ausfielen als erwartet und die Arbeitslosigkeit leicht stieg, vermutete die Bank, dass keine weitere Zinserhöhung notwendig blieb. Die Kommunikation der Zentralbank zeigte jedoch eine klare Haltung bezüglich zukünftiger Risiken.
Die jüngsten Prognosen der Zentralbank deuteten darauf hin, dass die Inflation innerhalb eines Jahres wieder auf das Ziel der RBA von 2,5 Prozent zurückkehren würde. Die Auswirkungen des Nahen Ostens und der hohen Treibstoffpreise erwiesen sich nicht als unmittelbar inflationär, wenngleich die anhaltenden Folgen des globalen Ölschocks noch ein bis zwei Jahre dauerten. Nach drei aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen im Laufe des Jahres erklärte der Vorstand, dass die Wirtschaft wie erwartet verlangsamte.
Michele Bullock, die Sprecherin der Zentralbank, äußerte sich in ihrer Pressekonferenz nicht als eine Leiterin, die glaubte, die Lage kontrolliere. Sie betonte, dass die Inflation weiterhin zu hoch sei und die Mitglieder der Bank besorgt über potenzielle Aufwärtspotenziale blieben. Bullock erklärte, dass die Bank bereits dreimal erhöht habe und eine weitere Erhöhung vornehmen würde, falls dies erforderlich werde. Sie äußerte zudem eine persönliche Einschätzung: Es sei möglich, dass eine weitere Erhöhung notwendig werde, doch die Bank würde die Daten abwarten.
Diese Haltung der Zentralbank diente der Erwartungssteuerung. Die Betonung der Bereitschaft zur weiteren Maßnahme erhöhte die Erwartungshaltung an die zukünftige Politik. Die implizierte Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung bis zum Ende des Jahres stieg nach der Pressekonferenz von 53 Prozent auf 67 Prozent. Dies demonstrierte die Wirkung der zentralbanklichen Kommunikation, welche die Marktteilnehmer dazu veranlasste, die Bereitschaft der Bank zur Reaktion wahrzunehmen.