Der gefeierte Regisseur Andrey Zvyagintsev sandte eine direkte Botschaft an Wladimir Putin und forderte ihn auf, auf die russischen Menschen zu hören und den „sinnlosen“ Krieg in der Ukraine zu beenden. Diese Äußerungen entfachten einen neuen Diskurs zwischen dem hochgeachteten Filmemacher und dem Kreml, der bereits auf der Cannes Filmfestspiele begann. Zvyagintsev sprach in seiner Nachricht an den Pressesprecher des Präsidenten über offizielle Kanäle und betonte die Notwendigkeit, die Kriegsführung zu stoppen.
In seiner Ansprache äußerte der Autor aus dem Exil seine Besorgnis über die Verluste und die Massaker junger Menschen, die für den Aufbau einer Zukunft notwendig seien. Er mahnte Putin, die „Blutverschwendung“ zu beenden, da nichts Gutes auf dem Horizont existiere, wenn der Krieg nicht gestoppt werde. Zvyagintsev appellierte an Putin, die Verantwortung für die Gewalt anzuerkennen, die durch die militärischen Aktionen verursacht wurde.
Der Sprecher des Kremls, Dmitry Peskov, lehnte diese Aufforderung jedoch entschieden ab. Peskov erklärte, dass er die Botschaft nicht weitergeben würde und argumentierte, dass der Regisseur keine Berechtigung besitze, nach Frieden zu appellieren, da er die „Massaker im Donbass“ nie verurteilt habe. Peskov verwies darauf, dass der Regisseur keine Stimme besaß, ebenso wie „hundert Millionen russischer Bürger“, weil Putin ihre Stimmen nie gehört habe.
Zvyagintsev konterte dieser Argumentation und bezeichnete die Reaktion des Kremls als „hypokritisch“. Er erklärte, dass die einzige rationale und richtige Handlung die Einhaltung des Prinzips „hi hic nunc“ sei – hier und jetzt. Er forderte daraufhin, den Krieg so rücksichtslos wie sinnlos zu beenden. Das Kreml antwortete auf die Nachricht des Filmemachers nicht.
Zusätzlich erfuhr die Rede von Kritik aus der Ukraine, wo Beobachter vermuteten, dass die Äußerungen die Tradition des „Appells an den Zar“ fortsetzten. Diese Tradition betonte, dass russische Oppositionelle um Veränderung bat, anstatt sie zu fordern, und stellte das Leben russischer Soldaten gleich mit dem der ukrainischen Zivilisten.